Hoch über der Altstadt thronend, ist die Kathedrale der Menschwerdung das große Renaissance-Wahrzeichen von Málaga und eines der bedeutendsten Sakralbauwerke Andalusiens. Die Einheimischen nennen sie jedoch selten bei ihrem offiziellen Namen. Für sie ist sie einfach La Manquita, und hinter diesem liebevollen Spitznamen verbirgt sich ein Gebäude voller Unvollendetem, versteckter Winkel und jahrhundertealter Geschichten. Hier erfahren Sie, was sie besonders macht und wie Sie sie selbst besichtigen können.
Warum heißt sie „La Manquita“?
Blicken Sie zur Hauptfassade hinauf, und Ihnen wird etwas Merkwürdiges auffallen: Es gibt zwei Glockentürme, aber nur einer ist fertig. Der Nordturm ragt 84 Meter empor und ist damit der zweithöchste Kathedralenturm Andalusiens. Der Südturm hört einfach auf, unvollendet, und verleiht dem Gebäude seinen Spitznamen La Manquita, wörtlich „die kleine Einarmige“.
Die lokale Überlieferung besagt, dass das für die Fertigstellung des Turms zurückgelegte Geld stattdessen gespendet wurde, um die amerikanischen Kolonien in ihrem Unabhängigkeitskrieg gegen Großbritannien im späten 18. Jahrhundert zu unterstützen. Es ist eine schöne Geschichte, und Sie werden sie von jedem Führer hören, doch Historiker sind vorsichtig: Andere Aufzeichnungen deuten darauf hin, dass Gelder für die Instandsetzung der Straßen in der Provinz umgeleitet wurden, sowie auf die chronischen Finanzierungslücken, die das Projekt über Jahrhunderte plagten. Was auch immer der wahre Grund war, der fehlende Turm ist zum beliebtesten Merkmal der Kathedrale geworden.
Eine Kathedrale, deren Bau über 250 Jahre dauerte
Komplette Führung durch die Altstadt von Málaga zu Fuß mit Eintrittskarten.Verfügbarkeit prüfen →Der Bau begann 1528 an der Stelle einer ehemaligen Moschee und zog sich mit langen Unterbrechungen hin, bis die Arbeiten 1782 offiziell für beendet erklärt wurden. Dieser Marathon-Zeitplan ist der Grund, warum das Gebäude eine solche Mischung von Stilen ist: ein Renaissance-Kern, umhüllt von gotischen, barocken und klassizistischen Elementen. Weit davon entfernt, ein Makel zu sein, ist diese Schichtung ein Spaziergang durch mehr als zwei Jahrhunderte andalusischer Architektur in einem einzigen Gebäude.
Eine der großen Barockorgeln Spaniens
Im Inneren sind die beiden Zwillingsorgeln, die sich über den Chor hinweg gegenüberstehen, ein Höhepunkt. Zwischen 1779 und 1783 erbaut, verfügen sie über Tausende von Pfeifen, darunter eine eindrucksvolle Reihe horizontaler Trompetenpfeifen, die wie eine in Holz und Metall erstarrte Fanfare nach außen ragen. Zusammen zählen sie zu den schönsten historischen Orgeln Spaniens und werden noch heute für Konzerte und Liturgie gespielt, wobei sie das gewölbte Kirchenschiff mit Klang erfüllen.